Design Thinking – ist zurzeit in aller Munde und ist „hip“. Doch ist das wirklich neu? Zielgruppenorientierung, König Kunde, Nutzerfreundlichkeit sind für Unternehmen nichts Neues. Aber etwas scheint anders zu sein. Nur was?

Der neue Anfang – oder das alte Ende?

Bisher spielt der Kunde als echte Person erst eine Rolle, wenn das Produkt bereits existiert. Damit meint Zielgruppenorientierung vor allem die Art der Ansprache, also mit welchem Marketingmix der potenzielle Kunde für das Produkt zu begeistern ist. Design Thinking beginnt am anderen Ende des klassischen Produktentwicklungszyklus. Hier arbeitet man mit dem Nutzer, bevor überhaupt ein Produkt oder gar eine Idee existiert, es stehen zunächst einmal die Fragen im Raum: Was ist eigentlich das konkrete Problem meines Kunden? Wo fehlt es dem Nutzer an etwas? Was ist sein Bedürfnis?

Verstehen Sie Ihre Kunden?

Erst wenn man das Problem des Kunden identifiziert und sein Verhalten verstanden hat, beschäftigt man sich mit der Lösung des Problems und erarbeitet diese in kleinen Schritten. Mit ersten einfachen Prototypen, die von potenziellen Kunden getestet werden, gewinnt man mit jedem Schritt weitere Erkenntnisse. Ein Prototyp kann eine Skizze sein oder eine Papierkonstruktion. Grundsätzlich geht es darum, schnell und einfach eine Lösung zu erproben. Schritt für Schritt wird sichtbar, ob man das Problem des Kunden verstanden und damit den richtigen Lösungsansatz entwickelt hat. Erst nach mehreren Zyklen, in denen immer wieder Anpassungen vorgenommen werden, entsteht ein Produkt oder eine Dienstleistung, die man am Anfang vielleicht noch nicht vor Augen hatte, die aber das Kundenbedürfnis genau trifft. Design Thinking heißt also zusammengefasst: Beim Problem des Nutzers anfangen, diesen verstehen, Lösungen skizzieren, diese testen, verbessern und wieder testen und verbessern usw. bis das ideale Ergebnis erreicht wird.

Wussten Sie, dass Sie schon seit langem ein Design Thinker sind?

Und eigentlich ist uns das Grundprinzip schon lange bekannt. Als Kinder haben wir von Anfang an alle nach dem „Trial and Error Prinzip“ gelernt und immer weiter optimiert – sei es ein LEGO-Haus, was Stück für Stück wächst und sich formt, oder ein Papierflieger, der immer besser fliegt und immer schöner aussieht, oder sei es ein Flohmarkt mit den alten Spielsachen, bei dem man bei jedem weiteren Passanten zwecks Verkaufsförderung die Anordnung der Spielsachen optimiert. Mit jedem Feedback, das wir für unsere Ideen und Konstrukte bekommen haben, gab es Inspiration, um diese zu verbessern. Und das mit den einfachsten Mitteln. Der Flohmarkt war auf einer Decke, das Bastelprojekt aus Pappe und das eigene LEGO-Haus sah nie so aus wie auf den Werbeprospekten.

Spiel, Spaß, Spannung für Erwachsene?

Entwicklung nach Design Thinking ist harte Arbeit, erfordert Disziplin und eine sehr offene Kommunikation, aber es macht einfach Spaß. Die Mischung aus haptischen Erlebnissen, dem Einsatz möglichst vieler Sinne und der spielerische Umgang mit dem Kundenproblem sowie dem entstehenden Produkt erzeugen eine besonders offene Atmosphäre. In gewisser Weise entdeckt man das Kind in sich, das offen und neugierig die Welt erforscht. Mit dieser Einstellung schaffen wir uns einen unvoreingenommeneren Zugang zu den Problemen eines Nutzers und erhalten ein sehr hilfreiches und vor allem ehrliches Feedback.

Lassen Sie das innere Kind wieder 'raus!

Mit diesen Erfahrungen aus unserem näheren Umfeld sollte es uns wie Schuppen von den Augen fallen, dass dieses Vorgehen einfach Sinn macht, Freiraum für neue Perspektiven und letztlich neue Ideen bietet. Design Thinking bzw. die dahinterstehende Philosophie steckt uns also bereits im Blut und wir kennen es aus Kindertagen. Wir haben uns jedoch über die Zeit an ein anderes Paradigma gewöhnt und danach gehandelt. Nun kehren wir im Grunde auch im Geschäftsleben zu unseren Wurzeln zurück. Wir stellen also nicht mehr das Produkt in den Fokus und kompensieren das mit Marketingmaßnahmen, sondern nun stellen wir den Bedarf und das Problem des Nutzers in den Mittelpunkt unserer Handlung.

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