Die Wirtschaft durchlebte schon immer Phasen voller Veränderung und Anpassungsbedarf. Es ist auch nichts Neues, dass neue Technologien zu Umwälzungen führen. Das hat schon immer die Wirtschaft in Gewinner und Verlierer des Wandels geteilt. Was ist also anders an der Digitalisierung?

Umwälzung durch Fortschritt

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die deutsche Wirtschaft von deutschen Unternehmern geprägt. Werner von Siemens, Friedrich Bayer oder Friedrich Engelhorn – um nur einige zu nennen – waren Tüftler, die Weltkonzerne gegründet haben.

Erfolg macht blind und satt

Max Grundig hatte lange Zeit ein gutes Gespür für den Markt und baute seine Firma zu einem internationalen Unternehmen aus. Doch mit fortschreitendem Alter verlor er seinen Instinkt. Man sagt, er wurde mit dem Alter auch immer herrischer. Vielleicht fiel es dem Erfolgsmenschen auch schwerer mit dem schwindenden Instinkt auf andere zu hören. Letztlich wurde Grundig durch die asiatische Konkurrenz überrannt. Ein Phänomen, das deutsche Hersteller in anderen Branchen ebenso erlebten, z. B. wurden die japanischen Automobilhersteller in Deutschland lange Zeit unterschätzt.

Aber auch international sind solche Beispiele zu finden. Kodak war einmal ein Technologie- und Marktführer. Die Marke galt als eine der wertvollsten bis in die 1990er. Spätestens mit der Einführung der Digitalkameras fing der Niedergang an. Dabei war es Steven J. Sasson, ein Mitarbeiter von Kodak, der die erste tragbare Digitalkamera entwickelte. Gut, mit 3,6 kg Gewicht nichts für die Hosentasche, aber für das Jahr 1975 eine große Leistung. Allerdings versäumte es Kodak, diese Erfindung in den Markt zu bringen, um auch in diesem Bereich Marktführer zu werden.

Letztens habe ich mein erstes Handy in einer verstaubten Schublade gefunden. Ein Nokia. Das war einmal der Marktführer mobiler Telefone. Aber auch in der schnelllebigen „dotcom-Welt“ gibt es rasante Aufstiege und große Abstürze. Yahoo war eine der erfolgreichsten Internet-Firmen. Heute kämpft sie gegen ihren Niedergang. Um es zu verdeutlichen: Können Sie sich noch an Lycos oder MySpace erinnern?

Eine Frage der Kultur

Bei der digitalen Transformation geht es nicht nur um die Nutzung von Technologien, sondern um einen grundsätzlichen Wandel von Kulturen in den Firmen. Das eigene Geschäftsmodell aufgrund von veränderter Markt- und Konkurrenzsituation zu hinterfragen und auf Basis dieser Erkenntnisse das eigene Unternehmen umzubauen, ist schon schwer genug. Dies als eine dauerhafte Aufgabe zu verstehen, bedeutet für viele Firmen einen immensen Kulturwandel und erfordert konsequente Disziplin, um nicht der gefühlten Sicherheit zu verfallen.

Digitale Transformation: Ein Cuvée aus neuem und altem Wein

Gleichzeitig ist aber eine Veränderung mit Augenmaß notwendig. Der vergangene Erfolg trägt eine Firma nicht in die Zukunft. Aber es gilt, die eigenen Stärken nicht zu vergessen, sondern für die Zukunft nutzbar zu machen. Lernen wir also von den Erfahrungen anderer, adaptieren die richtigen Ansätze auf die heutige Situation und akzeptieren wir, dass auch die digitale Transformation Ausdauer und gleichzeitig einen Team-Ansatz braucht. Die Zeit der Patriarchen und Einzelkämpfer ist vorbei. Dazu sind die Geschäftsmodelle zu komplex und zu anspruchsvoll, als dass ein Einzelner hier über ausreichend Gespür für die Entwicklung seines Marktes verfügen könnte.

Darüber hinaus werden es Firmen, die ihr festgefahrenes auf Abteilungen begrenztes Denken bewahren, mittelfristig sehr schwer haben. Denn ihnen fehlt es an der notwendigen Flexibilität, die es in schnellen und dynamischen Märkten braucht, um mit den Herausforderungen wie der Digitalisierung der Welt umzugehen und zu überleben. Und wenn man es ganz genau nimmt, befinden wir uns erst am Anfang der digitalen Transformation. Keiner kann aktuell absehen, wie dieser Weg weitergehen wird und welche neuen Technologien und Geschäftsmodelle in den kommenden Jahren entstehen werden.

Eins ist jedoch schon jetzt klar: Auf Veränderung müssen wir uns einstellen

Beitrag in Netzwerken teilen

Apiarista